Ocicat – Die Wildkatze, die keine ist

«Dr Ocicat gseht us wie en Wildkatz us em Dschungel — isch aber so zahm und gesellig wie en Labrador. Wer en sportliche, clevere Chatze suecht wo ou no Tricks lerne chann, isch bi ihm goldrichtig.»

Ocicat Katze
Der Ocicat ist eine in den USA entstandene, vollständig domestizierte Katzenrasse mit beeindruckendem Wildkatzen-Aussehen: aber ohne ein einziges Wildkatzen-Gen. Die auffälligen Spots erinnern an den Ocelot (daher der Name), sind jedoch das Ergebnis einer gezielten Kreuzung aus Abessinier, Siamkatze und American Shorthair. In der Schweiz ist der Ocicat eine Nischenrasse mit wenigen, aber engagierten Züchtern.

Ocicat auf einen Blick

UrsprungUSA 1964 — zufällige Kreuzung ausAbessinier, Siamkatze und American ShorthairTabby
GewichtKater 4–6 kg, Katze 3–5 kg —athletisch, muskulös, sportlicher Körperbau
Auffälligstes MerkmalDeutliche runde Spots auf dem Fell — wirkt wie eine Wildkatze, hat aberkeine Wildkatzen-Gene
CharakterAktiv, intelligent, hundeartig (Tricks lernfähig, folgt dem Besitzer, begleitet aktiv)
GesundheitsrisikoPK-Defizienz(Pyruvat-Kinase-Mangel) — DNA-Test beim seriösen Züchter Pflicht
Lebenserwartung12–18 Jahre
TSchV Art. 13Einzelhaltung nur mit täglichem Sozialkontakt erlaubt — Zweitkatze empfohlen
Preis CHCHF 900–1’500(Kitten mit Stammbaum); wenige aktive Züchter in der Schweiz
12 anerkannte FellfarbenTawny, Chocolate, Cinnamon, Blue, Lavender, Fawn — jeweils mit und ohne Silber

Wildkatzen-Optik ohne Wildkatzen-Gene

Der Ocicat ist ein mittelgrosser bis grosser Kater mit athletischem, muskulösem Körperbau. Trotz seines imposanten Aussehens — das unweigerlich an Wildkatzen wie den Ocelot erinnert — ist er zu 100 % eine Hauskatze ohne exotische Vorfahren.

Wildkatzen-Mythos entkräftet
 

Trotz des Namens «Ocicat» (von Ocelot + Cat) besitzt der Ocicat kein einziges Wildkatzen-Gen. Er entstand 1964 durch eine zufällige Kreuzung von rein domestizierten Rassen: Abessinier, Siamkatze und American Shorthair. Die Spots sind das Ergebnis natürlicher Genetik: nicht exotischer Einkreuzung. Wer echte Wildkatzen-Gene sucht, müsste auf Bengal (Asiatische Leopardkatze) oder Savannah (Serval) zurückgreifen.

Fell und Spots

Das auffälligste Merkmal des Ocicats ist sein kurzes, dicht anliegendes Fell mit deutlichen, runden Spots. Diese Flecken erinnern an einen Ocelot oder Leoparden. Im Gegensatz zu Tabbies hat der Ocicat keine Streifenmuster, sondern klar abgegrenzte Spots auf einem hellen Untergrund. Das Fell ist fein, seidig und liegt glatt am Körper an.

Fellfarben (12 anerkannt)

Basisfarbe Ohne Silber Mit Silber
Tawny (Braun-Gefleckt) Tawny Silver Tawny
Chocolate Chocolate Chocolate Silver
Cinnamon Cinnamon Cinnamon Silver
Blue Blue Blue Silver
Lavender Lavender Lavender Silver
Fawn Fawn Fawn Silver

Augen

Die Augen sind gross, manselförmig und golden, gelb oder grün: nie blau (kein Zusammenhang mit Siamkatzen-Blauaugen in der modernen Linie). Der ausgeprägte Augenausdruck verleiht dem Ocicat seinen wilden, wachen Blick.

Körperbau

Athletisch, gestreckt, muskulös. Die Pfoten sind oval, mittelgross. Der Schwanz ist mittellang und läuft gleichmässig zur Spitze hin. Das Gesamtbild ist das eines aktiven, kraftvollen Tieres: die «vermeintliche Wildkatze» der Wohnzimmer.

Hundeartig: und das ist keine Übertreibung

Der Ocicat ist eine der wenigen Katzenrassen, bei der der Begriff «hundeartig» ohne Übertreibung passt. Er ist neugierig, aktiv und lernfähig: und er liebt die Gesellschaft seines Menschen auf eine direkte, unaufdringliche Weise.

Aktiv und intelligent

Ocicats langweilen sich schnell. Sie brauchen Beschäftigung, Spielzeit und mentale Herausforderungen. Intelligenzspielzeug, Lernspiele und Apportier-Übungen sind keine Seltenheit. Viele Ocicats lassen sich mit positiver Verstärkung problemlos trainieren: Tricks wie «Sitz», «High Five» oder das Laufen an der Leine sind möglich.

Charakterprofil

Eigenschaft Ausprägung
Aktivität Sehr hoch: braucht täglich aktive Beschäftigung
Intelligenz Sehr hoch: lernt Tricks, apportiert, löst Puzzles
Anhänglichkeit Hoch: folgt Bezugspersonen, liebt Nähe
Familientauglich Sehr gut: verträgt sich mit Kindern und anderen Haustieren
Lautstärke Leise: deutlich ruhiger als die Siamkatze
Fremdenfreundlich Hoch: selten Scheu gegenüber Besuch
Besonderheiten des Ocicat
 
  • Trick-Fähigkeit: Der Ocicat gehört zu den wenigen Rassen, die sich zuverlässig trainieren lassen — Sitz, High Five, Apportieren und Leinegänge sind mit Clicker-Training möglich.
  • Rudeltier: Ocicats sind ausgesprochen sozial und leiden unter Einsamkeit. Eine Zweitkatze ist fast Pflicht — oder ein Mensch, der viel Zeit zu Hause verbringt.
  • Wacher Blick: Die grossen goldenen Augen und die gefleckte Zeichnung geben dem Ocicat einen ständig aufmerksamen, wachen Ausdruck — wie ein kleiner Ocelot auf der Couch.
PetFriends Tipp: Der Ocicat verträgt sich gut mit Kindern und anderen Haustieren — besonders wenn er mit ihnen aufgewachsen ist. Sein Aktivitätslevel macht ihn zum idealen Spielpartner für ältere Kinder.

Wohnungskatze mit Aktivitätsdrang

Der Ocicat ist vielseitig einsetzbar: er fühlt sich in der Wohnung genauso wohl wie mit kontrolliertem Freigang, solange er genug Beschäftigung erhält. Ein ungenutzter, unstimulierter Ocicat wird erfinderisch: im besten Fall sucht er sich selbst Beschäftigung, im schlechtesten Fall werden Möbel zum Spielzeug.

Haltungs-Checkliste

Bereich Empfehlung
Kratzbaum Stabil, hoch (≥ 150 cm): Kater wiegen bis 6 kg!
Spielzeug Intelligenzspielzeug, Angelruten, Apportier-Bälle
Beschäftigung Mind. 2× 20 Min. täglich aktives Spiel + Training
Kletterwand Empfohlen: athletische Rasse liebt vertikalen Raum
Zweittier Dringend empfohlen: sozialer Ocicat leidet unter Isolation
Freigang Optional: gesicherter Balkon/Garten ideal, Netz-Sicherung empfohlen
TSchV Art. 13 — Schweizer Tierschutzgesetz:
«Einzeln gehaltene Katzen müssen täglich Kontakt zu Artgenossen oder anderen Tieren haben, es sei denn, der Kontakt ist aus medizinischen Gründen nicht möglich.»
— Tierschutzverordnung (TSchV), Art. 13, Abs. 4

Was das für Ocicat-Halter bedeutet: Da der Ocicat eine ausgesprochen soziale Rasse ist, empfehlen wir grundsätzlich die Haltung mit einer Zweitkatze. Die Einzelhaltung ist legal, sofern täglich intensiver menschlicher Kontakt gewährleistet ist: bei Berufstätigkeit ist eine Zweitkatze der sicherere Weg.
PetFriends Tipp: Wegen des athletischen Körperbaus (Kater bis 6 kg!): Lieber ein grosses, stabiles Kratzmöbel als mehrere kleine. Deckenhohe Klettertürme oder Wandregalsysteme sind ideal für den sportlichen Ocicat.

Robuste Rasse mit einem Erbkrankheitsrisiko

Keine Qualzucht nach Schweizer Tierschutzgesetz
 

Der Ocicat hat keine strukturellen Übertreibungen: keine Brachycephalie, keine Kurzbeinigkeit, keine genetischen Extremmerkmale. Er zählt zu den «gesunden» Rassekatzen ohne rassebedingte chronische Leiden. Das einzige Gesundheitsrisiko, das beim Kauf beachtet werden muss, ist die PK-Defizienz.

PK-Defizienz (Pyruvat-Kinase-Mangel)

Die häufigste Erbkrankheit beim Ocicat ist die Pyruvat-Kinase-Defizienz (PK-Def). Sie betrifft rote Blutkörperchen und kann zu hämolytischer Anämie führen: von mild bis schwer. Ein DNA-Test ist bei seriösen Züchtern Standard. Beim Kauf: immer nach dem PK-Test-Ergebnis fragen!

Gesundheitsübersicht

Aspekt Status Empfehlung
PK-Defizienz Erbkrankheit DNA-Test Pflicht beim Züchter
Qualzucht-Merkmale Keine bekannt ✓ Kein Sonderscreening nötig
HCM (Herzerkrankung) Kein Rassenrisiko ✓ Regelmässige Vorsorge reicht
Sehvermögen Unauffällig ✓ —
Lebenserwartung 12–18 Jahre Bei guter Pflege und PK-freiem Genotyp

Tierarztkosten Schweiz (Orientierung)

Leistung Kosten CH (ca.)
Jährliche Vorsorge-Untersuchung CHF 200–350
Zahnpflege (bei Bedarf) CHF 200–400
OP-Versicherung/Monat CHF 25–50
Wichtig beim Kauf: Seriöse Ocicat-Züchter testen alle Elterntiere auf PK-Defizienz und geben den DNA-Test-Status beim Kauf an. Ein Züchter, der keinen PK-Test vorweisen kann, ist kein seriöser Züchter. Finger weg!

Aktive Rasse: erhöhter Proteinbedarf

Der Ocicat ist eine aktive, muskulöse Rasse mit einem entsprechend höheren Proteinbedarf als weniger aktive Rassen. Gutes Futter ist die Basis für Fell-Glanz, Muskelaufbau und die angeborene Vitalität.

Grundregeln

  • Hochwertiges Nassfutter: mindestens 60 % Fleischanteil, keine Getreide-Füllstoffe
  • Trockennahrung als Ergänzung ist möglich, aber Nassfutter bleibt Hauptbestandteil (Flüssigkeitsaufnahme!)
  • Regelmässige Fütterungszeiten — kein «freies Fressen» (verhindert Übergewicht)
  • Frisches Wasser immer zugänglich (Trinkbrunnen bevorzugt)

Besonderheiten

Ocicats sind aktiv und neigen bei ausreichend Bewegung nicht zu Übergewicht. Bei reiner Wohnungshaltung mit wenig Beschäftigung kann das Gewicht steigen: dann Portionskontrolle wichtig. Snacks können als Trainings-Belohnung eingesetzt werden (Tricks!).

PetFriends Tipp: Hochwertiges, getreidefrei zusammengestelltes Nassfutter mit mindestens 60 % Fleischanteil ist die beste Grundlage. Intelligenzspielzeug mit Futterbelohnung nutzen: der clevere Ocicat wird es lieben!
Steckbrief
RasseOcicat (OCI)
UrsprungslandUSA (1964)
ElternrassenABY × SIA × ASH
VerbändeCFA, TICA, FIFe
Gewicht Kater4–6 kg
Gewicht Katze3–5 kg
Lebenserwartung12–18 Jahre
FellKurz, dicht, gefleckt
Fellfarben12 anerkannte
AugenGold, Gelb, Grün
CharakterAktiv, hundeartig, sozial
HaltungWohnungskatze möglich
QualzuchtKeine
ErbkrankheitPK-Defizienz (Test!)
Wildkatzen-GeneKeine (0%)
Charakter-Profil
Aktivitätslevel100%
Anhänglichkeit80%
Kinderfreundlich80%
Tierverträglich80%
Lautstärke40%
Pflegeaufwand20%
Kosten Schweiz
Kitten mit Stammbaum (CFA/TICA)
CHF 900–1’500

Häufig gestellte Fragen zum Ocicat

Was kostet ein Ocicat in der Schweiz?
Ein Ocicat-Kitten von einem seriösen Schweizer Züchter kostet in der Regel CHF 900–1’500. Der Preis hängt von Fellfarbe, Stammbaum (CFA/TICA anerkannt) und den enthaltenen Leistungen ab (Impfungen, Chip, PK-Test, Entwurmung). Günstigere Angebote ohne Stammbaum oder Gesundheitstest sollten kritisch hinterfragt werden. In der Schweiz gibt es sehr wenige spezialisierte Ocicat-Züchter: ein Import aus Deutschland oder Österreich ist oft die einzige Option.
Aktive Ocicat-Züchter in der Schweiz sind rar. Bekannte Adressen sind Spotted Beauty (spottedbeauty.ch) und Tenzai Ocicats (tenzai-ocicats.com/de/). Für eine breitere Suche empfiehlt sich der Helvetische Katzenverband (felinehelvetic.org) oder das Petfinder.ch Züchterverzeichnis. Bei Import aus Deutschland: seriöse Zuchtverbände wie CFA- oder TICA-registrierte Catteries wählen.
Nein: in der Schweiz schreibt die Tierschutzverordnung (TSchV Art. 13) vor, dass Katzen ausreichenden Sozialkontakt benötigen. Für den sehr sozialen Ocicat bedeutet das: Einzelhaltung ist nur möglich, wenn täglich mehrere Stunden intensiver Kontakt mit Menschen gewährleistet ist. Empfehlung: Zweiter Ocicat oder kompatible Zweitkatze — der Ocicat ist ein ausgesprochenes Rudeltier.
Nein. Trotz des beeindruckenden Wildkatzen-Aussehens besitzt der Ocicat kein einziges Wildkatzen-Gen. Er entstand 1964 als unbeabsichtigte Kreuzung domestizierter Rassen: Abessinier, Siamkatze und American Shorthair. Der Name «Ocicat» leitet sich von «Ocelot + Cat» ab: rein wegen der optischen Ähnlichkeit. Wer eine Katze mit echtem Wildkatzen-Anteil sucht, müsste auf Bengal oder Savannah-Katze zurückgreifen.
Der Ocicat gilt als hundeartig: aktiv, intelligent, lernfähig und anhänglich ohne aufdringlich zu sein. Er folgt seinem Menschen durch die Wohnung, ist neugierig gegenüber Fremden und lässt sich problemlos trainieren (Tricks, Leine). Gleichzeitig ist er weniger laut als die Siamkatze und anpassungsfähiger als viele andere aktive Rassen.
Ja, mit der richtigen Einrichtung. Der Ocicat benötigt viel Beschäftigung, Klettermöglichkeiten und Spielpartner. Ein Kletterwall, Intelligenzspielzeug und täglich aktives Spielen sind Pflicht. Wer wenig Zeit hat oder eine ruhige Katze sucht, ist mit einer anderen Rasse besser beraten. Für aktive Familien oder Personen im Homeoffice ist der Ocicat jedoch ein idealer Begleiter.
Die wichtigste Erbkrankheit ist die PK-Defizienz (Pyruvat-Kinase-Mangel): ein genetischer Defekt der roten Blutkörperchen, der zu Blutarmut führen kann. Seriöse Züchter testen ihre Elterntiere und geben den DNA-Test-Status beim Kauf an. Abgesehen davon ist der Ocicat eine gesunde, robuste Rasse ohne Qualzucht-Merkmale und mit einer Lebenserwartung von 12–18 Jahren.
Bedingt. Der Ocicat ist keine Anfängerkatze im klassischen Sinne: Sein Aktivitätslevel, sein Bedarf an Beschäftigung und seine soziale Natur erfordern engagierte Besitzer. Wer bereit ist, Zeit zu investieren — täglich aktives Spielen, Training, Beschäftigung — wird mit einem ausserordentlichen, treuen Begleiter belohnt. Für ruhige Haushalte mit wenig Zeit ist er weniger geeignet.
Ein echter Ocicat hat: deutliche runde Spots (keine Streifenmuster), ein kurzes, eng anliegendes Fell, grosse manselförmige Augen (Gold/Gelb/Grün, nie blau), einen athletischen Körperbau und idealerweise einen CFA- oder TICA-Stammbaum. Ohne Stammbaum und Züchter-Dokumentation gibt es keine zuverlässige Möglichkeit, sicherzugehen. Mixe mit ähnlichem Muster sind möglich.
Ocicats erreichen mit guter Pflege ein Alter von 12 bis 18 Jahren. Die grosse Bandbreite hängt von Ernährung, Haltungsbedingungen, regelmässiger Tierarztversorgung und genetischer Veranlagung ab. Der PK-Defizienz-Test beim Kauf erhöht die Chance, ein genetisch gesundes Tier zu bekommen, das die hohe Lebenserwartung auch erreicht.
Geprüft von der Priska Reding
Guellen:
FIFe
WCF
FFCS

Fachlich geprüft von Priska Reding, Fachspezialistin Tierpflege & Tierschutz bei Petfriends.

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Priska Reding

Priska Reding ist Fachspezialistin Tierpflege & Tierschutz bei Petfriends mit Sitz in Muttenz. Sie prüft jeden Beitrag im Petfriends Katzenmagazin auf Tierschutz und fachliche Korrektheit, bevor er veröffentlicht wird. Petfriends führt 22 Filialen in der Schweiz und kombiniert stationären Tierfachhandel mit dem Online-Shop petfriends.ch.